Mobiler Wasserhahn

Erstellt am 28.04.2018

Komfort für unterwegs

Als begeisterter (outdoor-)Kletterer und auch für Roadtrips mit Zelt oder Hängematte wollte ich schon länger eine Möglichkeit haben, mir mal die Hände zu waschen oder, wenn man ans Backcountry-Camping denkt, das Geschirr zu waschen. Das geht natürlich auch am nächsten Bach oder See gerade beim Klettern ist der aber nicht immer in der Nähe. Auch das Essgeschirr wäscht man dann lieber mit Leitungswasser und nicht so gerne mit dem Wasser aus dem Biberteich. Also musste eine Lösung für einen mobilen Wasserhahn her. Der einfachste Weg ist natürlich einfach einen Wasserkanister mit Ausguss zu besorgen. Den muss man dann aber immer irgendwo erreichbar aufbewahren, was manchmal unter dem ganzen Geraffel, was man sonst noch so dabei hat, etwas unpraktisch sein kann. Auch hat mich bei manchen Modellen gestört, dass der einzige Weg für den Kanister zu atmen der Ausgusshahn ist. Das Wasser kommt dann nach jedem Luftziehen immer Schwallweise heraus. Nunja, ihr ahnt es sicher bereits, etwas elektrisches mit Pumpe und Schlauch musste her.

Auf eBay gibt es recht günstig Membranpumpen, die sogar ordentlich Druck aufbauen können und überdies mit einem Druckschalter ausgestattet sind. Ich habe mich für ein Modell mit relativ geringer Leistung entschieden (ca. 30 W), denn einen besonders großen Druchfluss möchte ich ohnehin nicht. Der Wasservorrat soll ja eine Weile halten. Die Pumpe schafft etwa 3 L/min (Leerlauf) und einen maximalen Arbeitsdruck von 7 Bar. Ich habe bisher nicht nachgemessen, ob die 7 Bar wirklich erreicht werden, aber es ist definitiv Druck auf der Leitung. Die Pumpe hat Anschlüsse für 3/8" Schläuche, allerdings dürfen diese nicht besonders dick sein. Daher habe ich für den Anschluss der Pumpe selber einen PE-Schlauch verwendet, der relativ starr ist. Normalerweise würde man diese Art Schlauch für Festinstallationen verwenden. Daher habe ich einen zweiten, flexibleren Schlauch mit Gewebeeinlage besorgt, an dem dann der eigentliche "Wasserhahn" befestigt ist.

Das System ist in zwei Teile aufgeteilt: Einmal der Kanister mit einer Schnellkupplung für den Ansaugschlauch und einmal die Pumpe mit dem Schlauch, Kugelhahn und einem flexiblen Wasserhahn (siehe weiter unten).

Vom Kanister zur Pumpe

Nach den Vorüberlegungen nun also zum Aufbau des ganzen. Als Kanister verwende ich einen simplen 23 Liter Plastikkanister. Dieser besteht aus HDPE (High-density Polyethylen) was leider bedingt, dass man das Material nur sehr schlecht, bzw. nur mit teuren Spezialklebern verkleben kann. Irgendwie muss aber ein Stück Schlauch wasserdicht in den Kanister kommen (und ein zweites Stück zum Atmen ebenfalls). Leider scheiden Schlauchdurchführungen auch aus, da ich keine Möglichkeit habe, das Gewinde auf der Innenseite festzuziehen. Glücklicherweise ist der Schlauch ebenfalls aus einem PE, nämlich LLDPE (Linear low-density Polyethylen) was ihn somit prinzipiell geeignet zum Plastikschweißen macht. Ich habe also einfach ein Loch in die Oberseite des Kanisters mit Schlauchdurchmesser gebohrt und ein Schlauchstück so eingefädelt, dass es, wenn der Kanister auf der Seite liegt, den unteren Boden berührt. Damit sollte gewährleistet sein, dass ich den Kanister bis fast zum letzten Tropfen auspumpen kann.

Nahaufnahme der Pumpe Pumpe mit Schlauchanschlüssen Kanister mit Schnellkupplung

Alles was ihr zum Schweißen benötigt, ist eine Lötlampe (der Campingkocher tut's auch) und einen Lötkolben (der sollte entweder eine Temperaturregelung haben, oder wenn nicht vorhanden, zumindest nicht viel mehr als 20 W). Die Wikipedia zu Polyethylen#Verarbeitung verrät uns, dass PE typischerweise bei etwa 240°C im Extruder geformt wird. Ab etwa 310°C zersetzt sich das Material, ihr solltet euren Lötkolben also auf eine Temperatur von etwa 250°C bis 280°C einstellen.
Als erstes habe ich ein kurzes Schlauchstück über der Lötlampe vorsichtig erwärmt und etwas konisch aufgeweitet. Dieses Stück dann soweit schon möglich über das eigentliche, etwas längere Schlauchstück gesteckt, welches dann das Wasser aus dem Kanister saugen soll. Nach weiterem Erwärmen und Drücken ließ sich das kurze Stück dann mit etwas Kraftanstrengung verschieben. In die richtige Position gebracht und das längere Schlauchstück in das Loch im Kanister gesteckt, kann jetzt das eigentliche Verschweißen des Schlauchs mit dem Kanister und Lötkolben angegangen werden. Eine möglichst breite Spitze (etwa in Form eines Schlitzschraubenziehers) an eurem Lötkolben ist hier von Vorteil, ich habe es aber auch mit meiner dünnen Lötspitze geschafft, wenn man den Kolben seitlich ansetzt. Dann einfach, wie in diversen Youtube-Videos zu sehen, das Material von dem kleinen Überwurfschlauchstück aufschmelzen nach unten drücken, sodass es sich schließlich mit dem Plastik des Kanisters verbindet. Das wiederholt ihr einfach einmal rund herum und erhaltet schließlich eine Wasserdichte und mechanisch stabile Verbindung von Schlauch und Kanister. Natürlich immer etwas aufpassen, dass man nicht so fest drückt, dass Löcher entstehen. Mit etwas Gefühl ging es aber selbst für mich (ich hab noch nie vorher PE verschweißt) ohne Schwierigkeiten oder Pannen.

Konisch aufgeweitetes Schlauchstück Schlauch in den Kanister Schlauch mit Kanister verschweißt

Am Griff des Kanisters ist nun eine Druckluftkupplung angebracht damit man den Schlauch bequem vom Kanister lösen kann um diesen dann z.B. aufzufüllen. Ich habe lange gesucht nach geeigneten Wassersteckdosen, die nach dem Abstecken sicher verschließen. Leider war meine Suche nicht direkt von Erfolg gekrönt, sodass ich mich schließlich für die Druckluftkupplung entschlossen habe. Diese haben eine Dichtung, die durch eine Feder betätigt wird, also auch funktioniert, wenn kein Druck auf der Rückseite anliegt. Beim Einstecken wird die Dichtung dann zurück gedrückt, sodass das Wasser fließen kann. Ebenfalls in der näheren Auswahl standen Ölablassventile, die quasi das selbe Prinzip haben. Diese wären wahrscheinlich etwas Witterungsbeständiger, aber dadurch auch deutlich teurer. Ich werde jetzt mal sehen, wie lange diese Druckluftkupplung hält. Womöglich rostet die Feder irgendwann, dann kann ich immer noch ein Ölablassventil testen.
Ein Nachteil der Druckluftkupplung ist, dass sie, wie der Name schon sagt, für Druckluft ausgelegt ist. Was ich hier aber beim Pumpen erzeuge, ist ein Unterdruck. Daher dichtet die Kupplung nicht besonders gut und ich musste noch einen O-Ring spendieren.

O-Ring in der Druckluftkupplung

Pumpe und Wasserhahn

Die Pumpe ist in einer kleinen Box untergebracht, um die Anschlüsse zu schützen und überhaupt sieht das so etwas hübscher aus. Den Strom hole ich mir ganz simpel über eine 12 V Autosteckdose. Hier ist diesmal wirklich keine Magie involviert, ich habe mir sogar einen Schalter gespart. Entweder der Stecker steckt oder nicht, das ist alles. Die Pumpe schaltet ja selbstständig ab, sobald sie ihren Arbeitsdruck erriecht hat. Über einen etwas flexibleren Schlauch geht es also von der Pumpe zu meinem "Wasserhahn". Das ist kein normaler Hahn, sondern eine flexible Röhre, wie sie in CNC-Maschinen zum Versprühen der Bohrmilch verwendet werden. Damit lässt sich der Hahn nämlich wunderbar auf jede erdenkliche Position oder Form einstellen. Ein Kugelventil regelt dabei die Wassermenge und montiert ist das ganze natürlich höchst professionell mit ordentlich Kabelbindern an einem Festplattenmagneten mit etwas Moosgummi.


Video Download

Pumpe und Kanister im Kofferraum Nahaufnahme

Damit kann man den Hahn blitzschnell z.B. einfach neben der Heckklappe ans Auto pappen und sich nach dem Klettertrip die Hände waschen. Für den richtigen Campingausflug plane ich auch noch eine richtige Mini-Küche, mit Waschbecken, Arbeitsplatte und Halterung für den Gaskocher.

Natürlich bin ich ein verantwortungsvoller Camper und habe einen Schmutzwasserkanister. Man möchte ja auch nicht umbedingt irgendwelche ungebetenen Gäste anlocken (Bären, Insekten, ...). Der wird einfach unter den Ausguss der Spülwanne gestellt und die Brühe später in einem Gulli entsorgt.

Hoffentlich konntet ihr ein paar nützliche Details aus meinen Beschreibungen nehmen. Das ganze Projekt lässt sich gut an einem Wochenende umsetzen, wenn man weiß, was man benötigt und die Teile vorhanden sind. Bei mir hat das ganze etwas länger gedauert, weil ich z.B. auf die Pumpe gute 4 Wochen warten musste. Kommt ja alles aus Fernost heutzutage.

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